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Thapsos ist der Name eines archäologischen Fundorts auf der Halbinsel Magnisi bei Priolo Gargallo an der Ostküste Siziliens, deren antiker Name ebenfalls Thapsos war. Bekannt ist Thapsos vor allem wegen der hier entdeckten bronzezeitlichen Siedlung und den zugehörigen Nekropolen, die aus etwa 300 Felskammergräbern bestehen. Nach dem Fundort wurde die mittelbronzezeitliche sizilische Thapsos-Kultur benannt. Thapsos war ein wichtiger Anlaufpunkt für den Seefernhandel, wovon vor allem zahlreiche Funde mykenischer, teils aber auch zypriotischer und maltesischer Herkunft, zeugen. In der Forschung wird daher oft angenommen, dass es sich bei Thapsos um ein Emporion handelte.
Thapsos liegt etwa 18 km nordwestlich von Syrakus im Freien Gemeindekonsortium Syrakus auf dem Gebiet der Gemeinde Priolo Gargallo. Die Siedlung, deren größte Ausdehnung auf etwa 1000 × 300 Meter geschätzt wird, befindet sich im Westen der Halbinsel Magnisi, direkt östlich eines schmalen Isthmus, der die Halbinsel mit dem Hinterland verbindet. Die über 300 Gräber konzentrieren sich vor allem auf den Norden und Osten der Halbinsel. Die Lage bot zwei gute Ankerplätze im Westen der Halbinsel, nördlich und südlich der Landenge.
Die Ausgrabungen begannen im 19. Jahrhundert, ab 1879 durch Francesco Saverio Cavallari, später unter der Leitung von Paolo Orsi. Dabei wurden die Nekropolen erforscht und über 100 Gräber ausgegraben. Die Ergebnisse dieser frühen Grabungskampagnen publizierte Orsi 1895. Erst wesentlich später wurden auch Teile der Siedlung entdeckt und ab 1964 von Bernabò Brea, ab 1968 intensiv von Giuseppe Voza erforscht. Dabei wurden vor allem ein nördliches Siedlungsviertel überwiegend mit Rundhütten sowie ein zentrales Viertel ausgegraben, in dem auch Gebäude rechteckigen Grundrisses und drei lange Gebäudekomplexe freigelegt wurden, die in ihrer Komplexität ganz untypisch für die sizilische Bronzezeit sind. Die beweglichen Funde sind im Archäologischen Museum von Syrakus ausgestellt. Trotz der langen, intensiven Erforschung von Thapsos gibt es bis heute keine Monographie zu diesem Fundort der Thapsos-Kultur.
Die ganz überwiegende Zahl der Funde einheimischer Keramik und sonstiger Gebrauchsgegenstände ist der Thapsos-Kultur zuzuordnen, die Bernabò Brea, vor allem anhand von Vergesellschaftungen von Artefakten der Thapsos-Kultur mit gut datierbarer mykenischen Keramik, von ca. 1450–1270 v. Chr. ansetzte. Dabei wurden auch und besonders die Funde in den Nekropolen von Thapsos berücksichtigt. Die seitdem nur geringfügig modifizierten Zeitansätze von Bernabò Brea für die Thapsos- und der eng verwandten, parallel laufende Milazzese-Kultur der Liparischen Inseln wurden in der Forschung akzeptiert und seitdem durch Neufunde und neuere Analysen bestätigt.
Giuseppe Voza unterschied nach seinen Ausgrabungen der Siedlung in den späten 1960ern und 1970ern drei aufeinander folgende Siedlungsphasen für den Fundort Thapsos: Phase 1 ordnete er den nördlichen Teil der Siedlung sowie Rundhütten im zentralen Areal zu und datierte sie von der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts bis ins späte 14. Jahrhundert v. Chr. Phase 2 nach Voza umfasst den Zeitraum von etwa 1300 v. Chr. bis zur ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts v. Chr. Ihr ordnete er vor allem zwei monumentale Gebäudekomplexe (A und B) im Zentrum der Siedlung zu, während das nördliche Viertel zu dieser Zeit nicht mehr genutzt worden sei. Eine Phase 3 datierte Voza von der Mitte des 11. Jahrhunderts bis ins 9. Jahrhundert v. Chr., ihr gehörten rechteckige Hütten und der dritte Gebäudekomplex (C) an. Die relativen und absoluten chronologischen Schlüsse Vozas basierten hauptsächlich auf typologischen Gesichtspunkten in Bezug auf die Architektur. Da er in Komplex C Keramik von Typus Cassabile aus der Endbronzezeit (10./9. Jahrhundert v. Chr.) entdeckte und Voza voraussetzte, dass Thapsos zuvor dauerhaft besiedelt war, nahm er eine lange…
Früheste Spuren menschlicher Aktivitäten stammen bereits aus der frühen sizilianischen Bronzezeit (ca. 2300–1700/1450 v. Chr.). Namengebend für die Thapsos-Kultur (ca. Mitte des 15. bis ca. 1270 v. Chr.) wurden jedoch die mittelbronzezeitlichen Siedlungs- und zahlreichen Grabfunde. Dies war eine eigenständige sizilianische Kultur, die starke Verwandtschaft mit der Milazzese-Kultur der Liparischen Inseln offenbart, sich aber den archäologischen Funden nach von den Kulturen auf dem italienischen Festland – außer Teilen Kalabriens – deutlich unterschied. Insbesondere hinsichtlich einiger Bauten innerhalb der Siedlung und einiger Grabtypen weist Thapsos allerdings Besonderheiten auf, die an anderen Fundorten der Thapsos-Kultur bisher nicht beobachtet wurden.
Die Siedlung
Die bisherigen Ausgrabungen legten zwei Hauptareale der Siedlung frei: Ein nördliches und ein zentrales. Das nördliche Viertel ist vor allem durch einräumige Hütten runden, oft kreisförmigen bis ovalen, teils auch halbkreisförmigen Grundrisses geprägt. Pfostenlöcher, die kreisförmig im Innern der Hütten angeordnet sind, beweisen, dass die Dächer durch senkrechte Holzpfosten gestützt waren. Teilweise hatten Rundhütten rechteckige Anbauten. Zwischen ihnen befanden sich schmale Wege.
Das zentrale Areal, das auch als „Residenzviertel“ bezeichnet wird, besteht neben Hütten runden Grundrisses auch aus Gebäuden mit rechtwinkligen Grundrissen. Besonders große Beachtung wird in der Forschung drei langen, rechteckigen Komplexen (A-C) im „Residenzviertel“ geschenkt, die im Innern durch Mauern in rechtwinklige Räume unterteilt waren und für die Bronzezeit Siziliens in dieser Art und Ausdehnung einzigartig sind. Die Räume innerhalb der Komplexe besaßen an den Innenseiten der Wände meistens Bänke. Einige Räume…
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