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Alessandro Scarlatti

Persönlichkeiten

Wer das war
1660–1725 · compositore italiano · Palermo

Alessandro Scarlatti
Foto: Wikimedia Commons · CC BY-SA

Pietro Alessandro Gaspare Scarlatti war ein italienischer Komponist des Barock und der „neapolitanischen Schule“, der besonders für seine Vokalmusik wie Opern, Oratorien und Kantaten bekannt ist.

Mehr dazu
Leben

Kindheit und Jugend
Alessandro Scarlatti war der zweite Sohn des Tenors Pietro Scarlata (die Form „Scarlatti“ wurde ab 1672 benutzt) und der Eleonora d’Amato, einer Verwandten des sizilianischen Komponisten Vincenzo Amato. Der Künstlerfamilie aus Palermo entstammten weitere acht Kinder, von denen später fünf Musiker werden sollten. Unter den Taufpaten finden sich neben Amato weitere anerkannte Musiker wie Marc’Antonio Sportonio und Antonio Valenti, die die musikalische Begabung Alessandros bemerkten und förderten. 1670 starb Amato, der als Maestro di cappella der Kathedrale die Familie unterstützt hatte. Im Jahr 1672 zwang eine Hungersnot die Familie, Palermo zu verlassen. Alessandro wurde mit zwei Schwestern nach Rom geschickt, wo er vermutlich Unterricht bei Giacomo Carissimi erhielt.

Kapellmeister in Rom, Neapel und Florenz

1678 zog Scarlatti in den Palast des bedeutenden Architekten Gian Lorenzo Bernini, wo auch Antonia Anzaleone wohnte, die er am 12. April desselben Jahres siebzehnjährig heiratete. 1679 war Berninis Sohn Filippo Taufpate von Scarlattis erstem Sohn. Am 16. Dezember 1678 trat Scarlatti die Stelle des Kapellmeisters an San Giacomo degli Incurabili an und leitete bis 1682 im Sommer die Feste von San Giacomo Apostolo, die den Musikern eine relativ große Summe einbrachten. Der Herzog von Paganica gab bei ihm ein Oratorium für eine Aufführung während der Fastenzeit in Santissimo Crocifisso in Auftrag. Kardinal Benedetto Pamphilj stellte ihm seine eigenen Gedichte zur Vertonung zur Verfügung und war möglicherweise dafür verantwortlich, dass Scarlatti in den Kreis der Königin Christine von Schweden aufgenommen wurde. Diese war von seiner ersten Oper Gli equivoci nel sembiante so begeistert, dass sie eine Zweitaufführung finanzierte und Scarlatti zu ihrem…

Musikalisches Schaffen

Bei Alessandro Scarlatti präsentiert sich „eine reife Kultur“ in „klassischen Werken“, die Gattungen sind „säuberlich voneinander unterschieden“ und „in sich vollkommen ausgebildet“. Scarlatti wirkte prägend auf den Typus der Da-capo-Arie und den Ouvertürentyp der dreiteiligen Sinfonia, die zum Muster früher Sinfonien wurde.

Opern

Scarlatti führte um 1700 Oper und Oratorium in einer standardisierten Form zu einem „Höhepunkt im Sinne des Hochbarock“. Er schuf im späten 17. und frühen 18. Jahrhundert die bedeutendste Reihe von Opern, welche die zeittypische Entwicklung repräsentieren: zunehmender Nummerncharakter mit deutlicherer Trennung von Rezitativ und Arie. Bei dieser herrscht nun die Da-capo-Form vor, wobei das Gewicht des Textes zurücktritt gegenüber der musikalischen Gestaltung mit melodischer Erfindung und sängerischer Virtuosität begleitet von einem sorgfältig ausgearbeitetem Orchestersatz. Dabei wird Text und Drama in der Musik Rechnung getragen: Das nur durch Basso continuo begleitete recitativo semplice oder recitativo secco bleibt möglichst nahe an der Sprache und folgt mit harmonischen Fortschreitungen eng den inhaltlichen und emotionalen Wendungen des Textes. Dichte dramatische Situationen wie Gebete, Gelübde, Anrufungen oder Gefängnismonologe werden durch Orchesterbegleitung im recitativo obbligato oder recitativo accompagnato intensiviert. Eine Brücke zwischen dem freien Rezitativ und der rhythmisch regulären Arie schlägt das recitativo arioso. Die Arie in A-B-A-Form mit kontrastierendem Mittelteil vor der Wiederaufnahme des ersten Abschnittes fokussiert auf ein oder zwei Affekte.
Um den Beginn der Aufführung anzuzeigen, wurde der Oper ein Instrumentalstück vorausgestellt, das durch Scarlatti typisiert wurde als dreisätzige Sinfonia mit…

Rezeption

Scarlattis Werk fungiert als „Scharnier zwischen dem Zenit des Hochbarocks und dem Wandel der Musikgeschichte im weiteren 18. Jahrhundert“. Es übte einen wichtigen Einfluss auf Georg Friedrich Händel aus, der für seine Opern in Scarlattis Werk eindrucksvolle Modelle vorfand. Die Begegnung mit Scarlatti war für ihn ein Höhepunkt seiner italienischen Reise. Johann Adolf Hasse war während seines Aufenthaltes in Neapel Schüler von Scarlatti.
Scarlattis Bedeutung ist auch in der englischen Geschichte des Musiktheaters erkenntlich: Die letzte durchgängig gesungene Oper am Theatre Royal Drury Lane in London war 1707 ein Pasticcio mit Musik hauptsächlich von Giovanni Bononcini und Scarlatti, in den nächsten Jahren experimentierte das Queen’s Theatre mit zweisprachigen Opern auf Italienisch und Englisch, am erfolgreichsten war dabei Pyrrhus and Demetrius mit Musik großenteils aus Scarlattis erfolgreicher Oper Pirro e Demetrio.
Bereits zu Lebzeiten gab es jedoch widersprüchliche Beurteilungen von Scarlattis Werk, einerseits galt er als Autorität, demgegenüber stand Kritik und Abwertung. Die entgegengesetzten Positionen entsprachen weniger lokalen Zugehörigkeiten als fortschrittlichen oder konservativen Haltungen, wobei Scarlatti von letzterer Seite in Schutz genommen wurde. In den wenigen Schriften zur Musikgeschichte aus dem 18. Jahrhundert wird Scarlatti unzutreffenderweise als Lehrerfigur für Leonardo Vinci, Leonardo Leo, Giovanni Battista Pergolesi und andere geführt. Charles Burney pries gegen Ende des Jahrhunderts Scarlatti als schöpferischsten und originellsten Vertreter des goldenen Zeitalters der italienischen Kantate um 1700. Im 19. Jahrhundert trat an die Stelle des Enthusiasmus die Anerkennung von Scarlattis Innovation und seiner didaktischen Wirkung. Scarlattis…

Werke (Auswahl)

Opern (Librettist, Ort und Jahr der Uraufführung)
Gli equivoci nel sembiante (D. F. Contini; Privattheater von G. Contini, Rom 1679)
L’onestà negli amori (D. F. Bernini oder D. F. Contini; Palast der Königin Christine, Rom 1680)
Tutto il mal non vien per nuocere (Giuseppe Domenico de Totis; Teatro Capranica, Rom 1681; Neufassung als Dal male il bene, Neapel 1687)
Il Pompeo (Nicolò Minato; Teatro Colonna, Rom 1683)
L’Aldimiro, o vero Favor per favore (Giuseppe Domenico de Totis; Palazzo Reale, Neapel 1683)
Olimpia vendicata (Aurelio Aureli; Palazzo Reale; Neapel 1685)
La Rosmene, o vero L’infedeltà fedele (Giuseppe Domenico de Totis;Palazzo Doria-Pamphilj, Rom 1686)
Clearco in Negroponte (A. Arcoleo; Palazzo Reale, Neapel 1686)
La Statira (P. Ottoboni; Rom 1690)
Gli equivoci in amore, overo La Rosaura (G. B. Lucini; Palazzo della Cancelleria, Rom 1690)
La Teodora Augusta (A. Morselli; Palazzo Reale, Neapel 1692)
Il Flavio Cuniberto (M. Noris; Neapel 1693)
Pirro e Demetrio (A. Morselli; Teatro San Bartolomeo, Neapel 1694)
Comodo Antonino (Francesco Maria Paglia; Teatro San Bartolomeo, Neapel 1686); mit Vittoria Tarquini, Maddalena Musi, dem Kastraten Domenico Cecchi gen. „il Cortona“ und dem Bass Giov. Battista Cavana u. a.
L’Emireno (overo il consiglio dell’ombra) (F. M. Paglia; Teatro San Bartolomeo, Neapel 1696); mit Vittoria Tarquini, Maddalena Musi, Domenico Cecchi gen. „Cortona“ und Giov. Battista Cavana u. a.
La caduta de’ decemviri (Silvio Stampiglia; Teatro San Bartolomeo, Neapel 1697); mit Matteo Sassano gen. „Matteuccio“, Vittoria Tarquini, Maddalena Musi und Nicola Grimaldi gen. „Nicolini“ u. a.
La donna ancora è fedele (D. F. Contini; Teatro San Bartolomeo, Neapel 1698)
Il prigioniero fortunato (F. M. Paglia; Teatro San Bartolomeo, Neapel 1698); mit Nicolino…

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Fotos
Alessandro Scarlatti Alessandro Scarlatti Alessandro Scarlatti

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38.11566 N · 13.36126 E

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